No Sex

NO SEX
VON TOSHIKI OKADA

Für die Hälfte aller japanischen Ehepaare spielt nach Umfragen der Japan Family Planning Association Sex keine Rolle mehr, mehr noch: knapp 50% der 18- bis 24-Jährigen hatten noch nie Sex. „Ich finde schon einige meiner Freundinnen attraktiv, aber ich habe gelernt, ohne Sex zu leben. Emotionale Verstrickungen sind einfach zu kompliziert. Da habe ich keine Lust drauf“, wird ein junger Mann in einem Artikel der englischen Zeitung „The Guardian“ zitiert. „Man könnte meinen, dass die Menschen zu dem Schluss gekommen sind, dass die Befriedigung, die sie von Sex erhalten können, geringer ist, als der erforderliche Aufwand“, sagt Masahiro Yamada, Professor für „Family Sociology“ in Tokio. Ist dieser Zustand ein systemisch hervorgebrachter Missstand oder ist es vor allem die Angst vor der Realität des intimen Moments mit einem echten Gegenüber, der in der virtuellen Welt viel einfacher scheint? Sind Liebesbeziehungen nur noch ein Stressfaktor für von langen Arbeitszeiten erschöpfte Menschen oder steckt in diesem „I would prefer not to“ auch ein subversiver Akt gegenüber einer männlich geprägten Begehrenskultur? Der Regisseur Toshiki Okada und seine Gruppe chelfitsch feierten 2004 ihren ersten internationalen Erfolg mit dem Stück „5 Days in March“, in dem zwei junge Menschen vor der Welt da draußen in ein Love Hotel flüchten, um fünf Tage lang vornehmlich Sex zu haben. In seiner nach „Hot Pepper, Air Conditioner and the Farewell Speech“ und „Nō Theater“ dritten Inszenierung an den Münchner Kammerspielen erzählt Toshiki Okada nun von jungen und nicht mehr ganz so jungen Menschen, die in einer Karaoke Bar Liebeslieder singen und sich dabei (körperlich) nicht berühren.

In der deutschen Übersetzung von Andreas Regelsberger.

MIT Thomas Hauser, Christian Löber, Stefan Merki, Annette Paulmann, Benjamin Radjaipour, Franz Rogowski INSZENIERUNG Toshiki Okada BÜHNE Dominic Huber KOSTÜME Tutia Schaad MUSIK Kazuhisa Uchihashi LICHT Pit Schultheiss DRAMATURGIE Tarun Kade, Makiko Yamaguchi

 

NO SEX
By TOSHIKI OKADA

According to surveys by the Japan Family Planning Association, sex no longer matters to half of all Japanese couples. What’s more, almost 50% of 18 to 24-year-olds have never had sex. “I’m attracted to some of my girlfriends, but I’ve learned to live without sex. Emotional entanglements are just too complicated. I’m not into that,” as an article in The Guardian quotes one young man as saying. “People seem to have concluded that the satisfaction they get from sex is lower than the effort required,” says Masahiro Yamada, Professor of Family Sociology in Tokyo. Is this state of affairs a systemic failure, or is it driven by a fear of real-life intimate moments with an actual counterpart — something that seems much simpler in the virtual world? Are relationships just another stress factor for people exhausted by long working hours, or does this version of “I would prefer not to” embody a subversive act in the face of a male-dominated culture of desire? Director Toshiki Okada and his theatre group chelfitsch celebrated their first international success in 2004 with the play “5 Days in March”, in which two young people flee from the outside world into a ‘love hotel’, primarily to have sex for five days. In his third production at the Münchner Kammerspiele following “Hot Pepper, Air Conditioner and the Farewell Speech” and “Nō Theater”, Toshiki Okada now narrates the tale of young and not-so-young people, who sing love songs in a karaoke bar without physically touching each other.

WITH Thomas Hauser, Christian Löber, Stefan Merki, Annette Paulmann, Benjamin Radjaipour, Franz Rogowski STAGE PRODUCTION Toshiki Okada STAGE DESIGN Dominic Huber COSTUME Tutia Schaad MUSIC Kazuhisa Uchihashi LIGHTING Pit Schultheiss DRAMATURGY Tarun Kade, Makiko Yamaguchi

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